Bewegtbild

PIONEER

  • Auszeichnung
  • Talents

Auftragnehmer

Felix Janz
felixjanz.de

Mainz

Auftraggeber

Hochschule Mainz
Fachbereich Gestaltung
Kommunikationsdesign
Prof. Katja Davar
Veronika Weingärtner
gestaltung.hs-mainz.de

Mainz

projektbeschreibung

Über 4000 Exoplaneten wurden bisher entdeckt, und eine Reise dorthin scheint vorerst für uns Menschen unmöglich. Doch wie könnte einer dieser Exoplaneten aussehen? Mit dieser Frage beschäftigte ich mich in dem Kurzfilm „PIONEER“, dessen Namen an das Pioneer-Programm der NASA angelehnt ist. Die Raumsonden Pioneer 10 und 11 fotografierten die ersten Nahaufnahmen von Jupiter und Saturn.

Ich experimentierte mit verschiedenen Drucktechniken wie Monotypie und Ätzradierungen und erstellte anschließend aus zweidimensionalen Drucken dreidimensionale Landschaften. Dazu wurden die Schwarz-Weiß-Drucke gescannt und aus den unterschiedlichen Grauwerten Höhenprofile erstellt. Kamerafahrten, die über die Landschaften fliegen, vermitteln den Eindruck einer Sonde, die zum ersten Mal den unbekannten Planeten aus nächster Nähe erfasst. Zudem kann man hören, wie die Sonde langsam erwacht und ihre Instrumente anfangen zu arbeiten.

Den Betrachtenden bleibt es offen, durch welche Ereignisse sich die Oberfläche so geformt hat, ob wilde Stürme, uns noch unbekannte physikalische Gesetze oder die Gewinnung von Rohstoffen einer uns ähnlichen Spezies von vor Tausenden oder Millionen Jahren. PIONEER ermöglicht es sich in eine Sonde hineinzuversetzen, die nach einer langen Reise zum erstmal einen Exoplaneten erblickt und die ersten Aufnahmen anfertigt: fernab und ganz alleine an einem uns unbekannten Ort.

jurystatment

Eine Raumsonde gleitet über die Oberfläche mehrerer Exoplaneten und sendet scheinbar live gestochen scharfe Bilder von erdähnlichen Himmelskörpern außerhalb unseres Sonnensystems. Wir meinen, die Hydraulik und den Ionenantrieb zu hören, während der Blick auf Gebirgsketten und ausgetrocknete Meere fällt. Dann plötzlich Strukturen, die an Kulturlandschaften erinnern, an bewusste Gestaltung oder Artefakte industriellen Handelns. Fast hofft man, dass gleich Zeugnisse intelligenten Lebens in Bild rücken. Und auf überraschende Weise tun sie das auch. Denn der Gestalter Felix Janz, Student des Kommunikationsdesigns an der Hochschule Mainz, dokumentiert hier freilich keine Originaldaten der NASA – vielmehr transformierte er eigene Monotypien und Radierungen digital zu dreidimensionalen Oberflächen ferner Planeten, die er dann von seiner virtuellen „Pioneer-Sonde“ überfliegen ließ.

Eine handwerklich wie konzeptionell fein gemachte audiovisuelle Meditation über die menschliche Sehnsucht nach dem großen Unbekannten. Gleichzeitig eine ungewöhnliche Fusion aus analogen und digitalen Gestaltungsmöglichkeiten und ein sehr originelles Stück Videokunst.

Arne Dechow