Kommunikation im Raum

ERINNERLICHT – Gegen das Vergessen

  • Auszeichnung
  • Talents

design Talent

Lorenz Fischer, Sophie Fischer, Bastian Franz, Marc Hary, Marian Kost, Leon Morbach, Johann Ober, Sandy Panacek,
Vardan Sharma, Julia Wolf

intermediadesign.de/projekte/erinnerlicht

hochschule

Hochschule Trier
Intermedia Design

Prof. Daniel Gilgen
Jonas Eiden

projektpartner

Universität Trier
Fachbereich III – Neuere und Neueste Geschichte
Lena Haase
Alisa Alić
Viktoria Südmeyer
forschungsstelle-seal.de

AG Frieden e. V. Trier
agf-trier.de

projektbeschreibung

Zwischen 1941 und 1943 wurden von Trier aus knapp 650 Bürgerinnen und Bürger in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Vorausgegangen war gesellschaftliche Ausgrenzung, was sich beispielsweise an den markierten Kennkarten zeigt, deren Mitführung für jüdische Bürgerinnen und Bürger zu dieser Zeit in Deutschland Pflicht war. Ausgehend von diesen über 300 im Stadtarchiv Trier überlieferten Kennkarten entstand die Installation ERINNERLICHT.

Sie gab den Besucher:innen die Möglichkeit, Einzelschicksale hinter dem Akt der Entrechtung und Deportation zu erkennen und etwas über das Leben der Menschen in Trier vor der Deportation zu erfahren. Mit der Installation hatten die Besucher:innen die Möglichkeit, das Schicksal der Trierer Opfer der Shoah zu beleuchten. Je mehr Menschen an der Installation teilnahmen, um einer verfolgten Person zu gedenken, desto heller erstrahlte der Innenhof der Porta Nigra.

Nach dem ersten Blick auf die hängenden Kennkarten wurde man an den Monitor-Stelen zu einer „Lichtspende“ aufgefordert. Mit dem Handy oder einer Taschenlampe angeleuchtet, erschien auf dem Bildschirm ein Porträt-Foto einer deportierten Person, deren Name, Beruf und Herkunft. Zusätzlich wurde ein QR-Code eingeblendet, der einen direkten Link zur jeweiligen Person in der Web-App des Projekts beinhaltete.

ERINNERLICHT-TRIER.DE

jurystatment

YIJING LU

Dieser Inhalt – die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus – ist kein einfaches Thema, zum einen wegen seiner Sensibilität, zum anderen, weil er bereits auf unterschiedliche Weise behandelt und ausgestellt wurde. Jedoch ist hier eine Installation gelungen, die überzeugt, die den Inhalt durch Partizipation vermittelt und den Besuchern im Gedächtnis bleiben wird.

Zwei überdimensionale Wände mit scheinbar tausenden Kennkarten der Opfer beleben den öffentlichen Raum mit einem starken Raumbild. Die bewusst reduzierte mediale Inszenierung als Lichtprojektion ergänzt das emotionale Erlebnis und regt aber gleichzeitig dazu an, tiefer in die Geschichte der Opfer einzutauchen. Der Besucher wird zum Mitgestalter der Installation, indem er mit dem eigenen Mobiltelefon ein Licht am Himmel zum Leuchten bringt. Je mehr Menschen teilnehmen, desto heller leuchtet der Himmel – desto beeindruckender wird die Installation. Hier wird Technik nicht der Innovation wegen eingesetzt, sondern um das Konzept und die Idee erlebbar und somit erinnerungswürdig zu machen.

Die Installation ist immersiv und macht nachdenklich, sie ist laut und gleichzeitig leise, sie ist raumgreifend und gleichzeitig unendlich, das Thema ist ernst, aber die Installation erstrahlt dennoch in einer gewissen Leichtigkeit. Das Motto der Installation, „Gegen das Vergessen“, ist eindeutig gelungen umgesetzt – mein großer Respekt gilt dem Einsatz der Studentengruppe, die so ein Projekt auf die Beine gestellt hat.